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Historie

Zur Geschichte der Thüringischen Gesellschaft für Chirurgie

Synopse der Tagungen und Vorstände

Nach der ersten Tagung der Thüringischen und Sächsischen Chirurgie vom 3. bis 5. Oktober 1947 unter der Leitung von Nicolai Guleke in Jena, fand ab 1949 jährlich eine Tagung vorwiegend in Jena, einige Male in Erfurt, einmal auch in Arnstadt, statt. Die Thematik war stets breit gefächert und umfasste viele Teilgebiete der Chirurgie. Nach Nicolai Guleke, Jena, und Egbert Schwarz, Erfurt, war ab Ende 1951 bis zum Anfang der 60er Jahre Heinrich Kuntzen aus Jena Vorsitzender der Gesellschaft. Als Schriftführer sind zunächst W. Schinck, dann Krönke und später G. Hartmann ausgewiesen.
Von 1958 bis 1993 wurden zwei Tagungen im Jahr, eine Frühjahrs- und eine Herbsttagung von jeweils einem Tag durchgeführt.
Nach Heinrich Kuntzen war Theo Becker von 1963 bis 1976 Vorsitzender der Gesellschaft, Werner Usbeck hatte den Vorsitz von 1976 bis 1982 und von 1984 bis 1986 inne. 1982 bis 1984, 1986 bis 1988 und 1990 bis 1992 leitete Hans Schröder, Jena, die Gesellschaft. Dieser war auch 1992 bis 1994 – anstelle des gewählten, aber schwer erkrankten Walter Nowak, Erfurt, der die Funktion von 1988 bis 1990 innehatte, geschäftsführender Vorsitzender der Gesellschaft.

Gründungsväter

Prof. Dr. Nicolai Guleke, Jena, Foto
Prof. Dr. Egberg Schwarz, Erfurt, Foto
Prof. Dr. Gerhard Jorns, Arnstadt

Weitere Gründungsmitglieder

Dr. Erler, Eisenberg,
Prof. Dr. Frosch, Arnstadt,
Frau Dr. Hellwig, Jena,
Prof. Dr. Hilgenfeldt, Gera (später Bochum)
Dr. Jakobs, Großenhain
Dr. Krohn, Meissen
Prof. Dr. Kuntzen, Chemnitz (später Jena)
Dr. Ladwig, Freiberg
Prof. Dr. Mörl, Leipzig
Prof. Dr. Nöller, Jena (später Gera)
Dr. Schumann, Plauen

Ehemalige Vorsitzende

1947 – 1951:                          Nicolai Guleke, Jena
Apr. 1951 – Okt. 1951:            Egbert Schwartz , Erfurt
1951 – 1963:                          Heinrich Kuntzen, Jena
1963 – 1976:                          Theo Becker, Jena
1976 – 1982:                          Werner Usbeck, Erfurt
1982 – 1984:                          Hans Schröder, Jena
1984 – 1986:                          Werner Usbeck, Erfurt
1986 – 1988:                          Hans Schröder , Jena
1988 – 1990:                          Walter Nowak, Erfurt
1990 – 1992:                          Hans Schröder, Jena
1992 – 1994:                          Walter Nowak , Erfurt
1994 – 1996:                          Martin Bartel , Jena
1996 – 2000:                          Harald Schramm , Gera
2000 – 2002:                          Horst Rupprecht, Saalfeld
2002 – 2004:                          Johannes Scheele , Jena
2004 – 2006:                          Klaus Bickel, Gotha
2006 – 2008:                          Thomas Manger, Gera
2008 – 2010:                          Utz Settmacher, Jena
2010 – 2012:                          Lutz-Dieter Schreiber, Bad Langensalza
2012 – 2014:                          Thomas Lesser, Gera
2014 – 2016:                          Albrecht Stier, Erfurt
2016 – heute:                         Jörg Pertschy

Ehrenmitglieder

Martin Bartel, Jena
Theo Becker, Jena †
Lutz Braun, Detmold
Gerhard Hartmann, Greiz †
Karl Hempel, Hamburg
Wilhelm Heufelder, Waltershausen †
Gerhard Jorns, Arnstadt †
Heinz Knüpper, Meiningen  †
Heinrich Kuntzen, Jena †
Hans Lippert
Fred Nöller, Gera †
Hans-Jürgen Peiper, Göttingen
Jürgen Probst, Murnau †
Herbert Schickedanz, Jena
Harald Schramm, Gera
Hans Schröder, Jena †
Hans-Dieter Schumann, Dresden
Herbert Übermuth, Leipzig †
Werner Usbeck, Erfurt †
Helmut Wolff, Berlin
Horst Rupprecht, Saalfeld


Eindeutiges Votum für ein Fortbestehen der Thüringer Gesellschaft für Chirurgie e. V.

Die Thüringische Gesellschaft für Chirurgie (TGC) ist als eine der medizinisch-wissenschaftlichen Nachfolgeorganisationen aus der ehemaligen Vereinigung Mitteldeutscher Chirurgen hervorgegangen. Nicolai Guleke, von 1919 bis 1951 Ordinarius für Chirurgie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, hat mit einem Schreiben vom 20. Oktober 1946 über den Dekan der Medizinischen Fakultät um die Einholung der erforderlichen Genehmigung für eine 1. Jahrestagung nach dem Krieg durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD) gebeten. Von der SMAD wurde dann am 21. Mai 1947 die Bildung einer Medizinisch-Wissenschaftlichen Vereinigung erlaubt. Die Tagung fand erstmals vom 2. bis 5. Oktober 1947 im Chirurgischen Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Sie nahm trotz widriger nachkriegsbedingter Umstände einen außerordentlich erfolgreichen Verlauf. Anwesend waren ca. 150 Chirurgen. Am 5. Oktober 1947 wurde dann die Bildung der Medizinisch-Wissenschaftlichen Gesellschaft für Chirurgie an der Universität Jena beschlossen. Seit dem 4. Mai 1979 trägt unsere Gesellschaft den aktuellen Namen. Sie hatte sich zu einer der mitgliederstärksten Regionalvereinigungen in der DDR entwickelt und zählte 1989 mehr als 450 Mitglieder.

Am Freitag, den 28. September 2007, fand in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine Festveranstaltung anlässlich des 60. Gründungsjubiläums der Gesellschaft statt. Das Grußwort der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie überbrachte ihr 1. Vizepräsident Hr. Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Steinau. Die Festveranstaltung war Anlass zum Rückblick.
Die zahlreich erschienen Ehrenmitglieder der Gesellschaft wurden durch Prof. Dr. Martin Bartel würdig vertreten. In einem eindringlichen Appell berichtete er zur Geschichte der Gesellschaft als einer, der sie erfahren hatte und der die Zeit hautnah erleben durfte. Prof. Bartel ist seit 45 Jahren Mitglied unserer Gesellschaft. Er hat der Gesellschaft als Vorsitzender, als Kassenwart, als Schriftführer – also in allen möglichen Funktionen gedient. In seiner sehr persönlichen und kurzweiligen Reflexion der Geschichte hob er hervor, was die Gesellschaft für ihn in den Jahren seiner aktiven Laufbahn bedeutet hat. Sie begleitete ihn in seiner Ausbildung zum Facharzt, Oberarzt und Hochschullehrer. Sie half ihm im Ringen um die optimale Betreuung der Patienten auf den Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse und Verfahren. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft der Gesellschaft sieht er – in Anlehnung an eine chinesische Weisheit – in der Weiterbildung künftiger Chirurgengenerationen.

Aus zahlreichen Meinungsäußerungen unserer Mitglieder geht hervor, dass die Gesellschaft über die 60 Jahre ihres Bestehens geeignete Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Austausch bot. Sie hat den Fortschritt in der Region Thüringen auf dem Gebiet der Chirurgie allgegenwärtig begleitet. Die Zeit war geprägt von einer zunehmenden Spezialisierung und einer damit verbundenen Interdisziplinarität. Mit der politischen Wende hatte sich die Hoffnung von Prof. Guleke, der immer auf die führende Rolle der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, nämlich für ganz Deutschland, hoffte und dies in der Gründungsrede auch hervorhob, wieder erfüllt.

Gegenwärtig findet die wissenschaftliche Auseinandersetzung auf dem Gebiet der Chirurgie auf sehr vielen gesellschaftlichen Ebenen statt. Nahezu wöchentlich können in Deutschland gute Kongresse und Workshops besucht werden. Dem Interessierten sind kaum Grenzen für eine fundierte Weiterbildung gesetzt. Große Aktivitäten mit zukunftsweisenden Inhalten werden seit über 100 Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und aktuell in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden der Chirurgen organisiert. Ein wesentliches Glied in der Kette wissenschaftlicher Aktivitäten sind die regionalen Chirurgenvereinigungen unseres Landes.

Unsere Gesellschaft sieht ihre wesentliche Aufgabe in der Förderung der kollegialen Beziehungen zwischen allen Chirurgen auf fachlichen und menschlichen Ebenen über sämtliche Versorgungsstufen hinweg. Sie schafft den lokalen Rahmen für einen interdisziplinären Austausch und ist gerade für junge Wissenschaftler oft der erste Anlaufpunkt um Forschungsergebnisse in Klinik und Experiment einem fachkundigen Zuhörerkreis vorzustellen. Hier können sich junge Kollegen erste Sporen verdienen und sich in der wissenschaftlichen Diskussion üben. Sie können darauf vertrauen, dass ihnen eine wohlwollende Atmosphäre entgegen gebracht wird. Chirurgentreffen einer Region dienen dem Austausch von Erfahrung in der täglichen Arbeit. Dabei sind Einzelfalldiskussionen, wie wir aktuell aus Akademiegesprächen wissen, von besonderer Bedeutung für die Weiterbildung des Einzelnen. Unverzichtbarer Bestandteil waren und sind unsere Gesellschaftsabende, bei denen man sich in aufgelockerter Atmosphäre begegnen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist es, die Spezialisten unserer Region zusammen zu führen. Sie sind nützlich für die Entwicklung der Chirurgie und haben ihre wissenschaftliche Heimat natürlich in einer überregionalen Chirurgenvereinigung, in der sie ihr Spezialistentum effektiv entwickeln können. Ihre regionale Bedeutung jedoch entfalten sie wirkungsvoll im interkollegialen Austausch vor Ort. In den 60 Jahren des Bestehens dieser Regionalgesellschaft hat sich eine spezielle Thüringer Tradition im Wissenschaftsaustausch, im kollegialen Miteinander, in der gegenseitigen Hilfsbereitschaft ausgebildet, die von den Mitgliedern als wohltuend empfunden wird. Es gibt einen ausgesprochen regionalen Anspruch auf Wissenstransfer. Hier sind Stärken und Schwächen allseitig bekannt. Wir sehen in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, genauso wie unsere Gründungsväter, die führende chirurgische Dachgesellschaft. Wir haben eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gremien der Ärztekammer Thüringen und unserem regionalen Berufsverband, was uns die Gegenwart und hoffentlich auch die Zukunft gestalten hilft.

Für Chirurgen in der Mitte Deutschlands wurde 1922 in Braunschweig die Mitteldeutsche Chirurgenvereinigung ins Leben gerufen. Die erste wissenschaftliche Tagung wurde 1922 im Juli in Magdeburg durchgeführt. Bis 1939 wissen wir von 30 Tagungen an wechselnden Orten von Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg. Die prägenden Persönlichkeiten dieser Chirurgenvereinigung waren Vorsitzende wie Payer, Völker, Guleke, Fromme und Heller. Das offizielle Publikationsorgan dieser Vereinigung war und ist das „Zentralblatt für Chirurgie“. Hier sind uns Tagungsberichte überliefert und wir können partiell das wissenschaftliche Leben heute noch rekonstruieren.

Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Wunsch einer Neugründung der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung beschäftigt. Die Verschmelzung der Chirurgischen Fachgesellschaften in Sachen und Sachsen-Anhalt erfolgte 2004. Unsere Mitgliederversammlung hatte am 28. Mai 2003 gegen eine Verschmelzung gestimmt und sich für eine enge Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung ausgesprochen. Die Fusionsidee wurde nicht gänzlich ad acta gelegt. Wir befanden uns bis Oktober 2007 in einer Diskussionsphase und haben mit einer schriftlichen Mitgliederbefragung (Stichtag 24. November 2007) eine endgültige Entscheidung herbeigeführt. Eine Fortsetzung der Arbeit im Rahmen der TGC wünschten danach 71% der Mitglieder, während 18% für eine Verschmelzung gestimmt und 11% sich der Stimme enthalten hatten.

Unsere Vereinigung bleibt damit ein fester Bestandteil des mitteldeutschen Raumes. Wir werden auch in Zukunft bemüht sein, möglichst vielen Chirurgen Thüringens einen attraktiven Platz in der Mitte unserer Gesellschaft zu bieten.

Prof. Dr. med. Thomas Manger
Mitglied der Thüringischen Gesellschaft für Chirurgie e. V.
SRH Wald-Klinikum Gera gGmbH
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie
Straße des Friedens 122
07548 Gera
thomas.manger@wkg.srh.de